Wien, im Mai 2020

Liebe Ordensfamilie,

im Marienmonat Mai sende ich Euch herzliche Grüße. Das Foto zeigt einen der beiden Seitenaltäre in der Kapelle des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, gestiftet vom Deutschen Orden und damit seit über hundert Jahren auch Zeichen der Präsenz unserer Gemeinschaft in der Heiligen Stadt, Zeichen der Verbindung zu den Orten des irdischen Wirkens Jesu und damit auch Mariens.

Zum Beginn des Marienmonats hat sich Papst Franziskus in einem Brief an alle Gläubigen gewandt, um daran zu erinnern, „wie schön es ist, im Monat Mai zu Hause den Rosenkranz zu beten“. Gerade in diesem Monat, „in dem das Volk Gottes ganz besonders seine Liebe und Verehrung für die Jungfrau Maria zum Ausdruck bringt“, wäre es vielleicht auch für uns als Ordensfamilie eine Anregung, uns bewusster in diese Gebetskette hineinnehmen zu lassen und in den Geheimnissen des Rosenkranzes Gottes Liebe und Zuwendung zu den Menschen in Jesus Christus zu betrachten, sowie uns der Fürsprache der Gottesmutter anzuvertrauen.

Daher legt der Heilige Vater allen Gläubigen zwei Gebete ans Herz, und schlägt vor, diese als Abschluss des Rosenkranzes zu beten, so wie er es tut.

Gebet 1

O Maria,

du erstrahlst immer auf unserem Weg

als Zeichen des Heils und der Hoffnung.

Wir vertrauen auf dich, Heil der Kranken,

die du unter dem Kreuz mit dem Schmerz Jesu vereint warst

und fest deinen Glauben bewahrt hast.

Du, Heil des römischen Volkes,

weißt, was wir brauchen.

Wir sind sicher,

dass du dafür sorgen wirst,

dass wie zu Kana in Galiläa

Freude und Frohsinn zurückkehren mögen

nach dieser Zeit der Prüfung.

Hilf uns, Mutter der göttlichen Liebe,

uns dem Willen des Vaters anzugleichen

und das zu tun, was Jesus uns sagen wird,

der unser Leiden auf sich genommen

und unseren Schmerz getragen hat,

um uns durch das Kreuz

zur Freude der Auferstehung zu führen. Amen.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter.

Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,

o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau.

Gebet 2

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter.

In dieser dramatischen Situation voll von Leiden und Ängsten,

welche die ganze Welt bedrücken, wenden wir uns an dich,

o Mutter Gottes und unsere Mutter,

und suchen Zuflucht unter deinem Schutz und Schirm.

O Jungfrau Maria, in dieser Pandemie des Coronavirus

wende deine barmherzigen Augen uns zu und tröste alle,

die um ihre verstorbenen Angehörigen trauern und weinen,

die zuweilen in einer die Seele verletzenden Weise beerdigt wurden.

Stütze alle, die sich um die Kranken ängstigen,

denen sie wegen der Ansteckungsgefahr nicht nahe sein können.

Schenke Zuversicht denen,

die wegen der ungewissen Zukunft

und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeit in Sorge sind.

Mutter Gottes und unsere Mutter, erflehe für uns bei Gott,

dem barmherzigen Vater,

dass diese harte Prüfung ein Ende habe

und am Horizont wieder Hoffnung und Friede erscheine.

Wie zu Kana trete bei deinem göttlichen Sohn für uns ein,

dass die Familien der Kranken und der Verstorbenen getröstet werden

und sie im Herzen wieder Vertrauen fassen können.

Beschütze die Ärzte, die Krankenschwestern und -pfleger,

die im Gesundheitswesen Tätigen und die Freiwilligen,

die in dieser Notsituation an vorderster Front kämpfen und ihr Leben riskieren,

um das anderer zu retten.

Begleite ihr heroisches Bemühen und gib ihnen Kraft,

Güte und Gesundheit.

Sei du bei denen,

die Tag und Nacht die Kranken pflegen, und hilf den Priestern,

die mit seelsorgerischem Eifer

und einem dem Evangelium entsprechenden Einsatz versuchen,

allen zu helfen und eine Stütze zu sein.

Heilige Jungfrau Maria,

erleuchte den Verstand der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen,

auf, dass sie geeignete Lösungen zur Bekämpfung des Virus finden.

Stehe den Verantwortlichen der Nationen bei,

dass sie Weisheit, Fürsorge und Großmut walten lassen

und mit Weitblick und im Geist der Solidarität

durch soziale und wirtschaftliche Programme all denen zur Hilfe kommen,

denen das Nötige zum Leben fehlt.

Heilige Maria, rühre die Gewissen an,

damit die Unsummen für die Vermehrung immer ausgeklügelterer Waffensysteme

vielmehr einer angemessenen Forschung

zur künftigen Vermeidung ähnlicher Katastrophen zugutekommen.

O geliebte Mutter,

lass in der Welt das Zugehörigkeitsgefühl zu der einen großen Familie wachsen

im Bewusstsein des Bandes, das uns alle eint,

damit wir in geschwisterlichem und solidarischem Geiste der vielfachen Armut

und den Situationen des Elends Abhilfe leisten.

Stärke uns, damit wir feststehen im Glauben,

Ausdauer haben im Dienen und beharrlich sind im Beten.

O Maria, Trösterin der Betrübten,

nimm deine geplagten Kinder in den Arm und erwirke bei Gott,

dass er in seiner Allmacht eingreife,

um uns von dieser schrecklichen Epidemie zu befreien,

damit das Leben unbeschwert wieder seinen normalen Gang aufnehmen kann.

Dir vertrauen wir uns an,

die du auf unserem Weg als Zeichen des Heils und der Hoffnung erstrahlst.

O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen

Papst Franziskus schließt seinen Brief mit einem Versprechen und einer persönlichen Bitte: „Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir gemeinsam mit dem Herzen Marias, unserer Mutter, das Antlitz Christi betrachten, wird uns dies immer tiefer als geistliche Familie vereinen und uns helfen, diese Prüfung zu überwinden. Ich werde für euch beten, insbesondere für diejenigen, die am meisten leiden, und ihr betet bitte für mich. Ich danke euch und segne euch von Herzen“.

Verbinden wir uns also besonders in diesem, der Gottesmutter geweihten Monat, im Gebet miteinander, mit dem Heiligen Vater und allen Menschen auf der Welt. Lassen wir uns hineinnehmen in die Schar derer, die in diesen Tagen für Menschen beten, die krank sind und leiden, die von Sorgen und Ängsten betroffen sind, aber auch für jene, die sich gerade in diesen Tagen für andere einsetzen und sie unterstützen.

Ich empfehle uns alle der Fürsprache der Gottesmutter, der Schutzfrau unseres Ordens und mächtige Fürsprecherin der Betrübten.

Mit den besten Segenswünschen und im Gebet verbunden

+ Frank Bayard

Hochmeister