von Hochmeister Frank

Wir werden hineingenommen in das Geschehen des Abendmahlssaales, in die Einsetzung der Eucharistie und in die Fußwaschung. Beides ist Geschenk und Auftrag zugleich. Nicht das wo und das wann sind relevant, sondern das, was geschieht, das, was es mit uns macht. Denn dann, wenn wir vom Zuschauer zum Betroffenen werden, dann, wenn es heute etwas mit mir macht, dann ist es mehr als bloße Erzählung, mehr als nur Memoration, dann ist es Heilsgeschehen!

 

Im Abendmahlssaal beginnt der Bogen, der sich über das Kreuz hin zur Auferstehung spannt und sich im Halleluja der Osternacht entlädt. Ein Mysterium in drei Akten vom Gründonnerstag über den Karfreitag zum Ostermorgen. Durch das Dunkel zum Licht. Nur dem leuchtet das Osterlicht, der die Finsternis des Karfreitags angenommen und willig ausgelitten hat, sagt Karl Rahner.

 

Begreift ihr, was ich an Euch getan habe? Dieser Satz aus dem heutigen Evangelium ist für mich Kernsatz und Frage zugleich: Kann man Gottes Liebe und seine Barmherzigkeit, ja kann man das was Jesus dort tut überhaupt begreifen?

 

Die Fußwaschung ist noch gut nachvollziehbar, der Auftrag an die Kirche zu dienen, sich nicht zu schade zu sein, sich in den Staub zu bücken, um Menschen zu helfen, ihnen den Weg zum Heil zu erschließen. So wie Petrus müssen wir dieses Wirken Gottes an uns und somit die Erlösung und Auferstehung zulassen; als Angebot annehmen und es dann weitertragen, weiterleben und zu den Menschen bringen. Die Hingabe Gottes aus Liebe, mit dem eigenen Leben, mit der eigenen Liebe und Hingabe für die uns anvertrauten Menschen erfahrbar machen. Helfen und heilen.

 

Die Einsetzung der Eucharistie. Sie ist Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Im Abendmahlsaal schon mehr als nur gemeinsames Essen und Trinken, nicht memorialer Akt eines historischen Ereignisses, sondern Hineinnahme in das Geschehen, in das Heilsgeschehen Gottes. Auch wenn wir, anders als die Jünger damals in diesem Jahr nur als geistige Mahlgemeinschaft versammelt sind, so sind wir dennoch verbunden, weil ER sich hinschenkt. Nicht nur symbolhaft in Brot und Wein, sondern real präsent.

 

Wandlung die mit den eucharistischen Gaben geschieht, die aber auch mit uns geschehen kann: Hingabe aus Liebe, Mitleid und voller Erbarmen. Die Liebe ist die Substanz der Eucharistie. Die Liebe ist die Grundlage für all das, was da noch folgen wird. Lassen wir uns hineinnehmen in das Mysterium, nicht weil es Tradition ist, sondern weil es unser Leben fundamental betrifft.

 

Gehen wir mit Christus vom Abendmahlsaal nach Gethsemani, gehen wir auch mit nach Golgotha und schauen wir nicht am Kreuz vorbei, sondern halten wir den Anblick aus und werden wir mit ihnen Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung – der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Aber damit vielleicht auch unserer kleinen, ganz persönlichen Auferstehung, weil auch wir aus unseren Gräbern des Lebens und Leidens und am Ende aus dem Grab des Todes gerufen sind ans Licht.

Ihr

+ Frank Bayard

Hochmeister