von Hochmeister Frank

Beim Lesen der Ostertexte habe ich mir irgendwie gedacht: „Eigentlich alles wie immer“ – sieht man mal vom leeren Grab ab. Da ist die Sorge der Frauen wegen des Steins vor dem Grab. Da ist Petrus, der nachdem er das leere Grab gesehen hat, einfach nach Hause geht, so als wäre nichts geschehen, seine Arbeit als Fischer wieder aufnimmt. Da ist Maria von Magdala als Apostelin der Apostel, eine gestandene Frau mit einem großen Herzen, das offen ist für die Ansprache des Auferstandenen… sie holt erstmal Zeugen: der sogenannte Osterwettlauf… Petrus und Johannes, Amt und Liebe. Die „Liebe“, für die der Apostel Johannes steht, ist schneller am Grab, aber er lässt dem Amt, Petrus, den Vortritt… aber nicht das Amt glaubt, das ist schwerfälliger, träger, braucht noch Zeit… sondern das Herz, die Liebe erkennt und glaubt.

 

Nicht das Auferstehung etwas Gewöhnliches wäre, nichts läge mir ferner. Sie ist eines der außergewöhnlichsten Ereignisse und vielleicht eines der Wichtigsten der Menschheit. Aber sie vollzieht sich, ebenso wie die Menschwerdung Gottes, eingebettet in das Alltägliche und das macht das Wirken dieses Gottes so wunderbar, er kommt uns in unser Leben, in unser Lieben, aber auch in unser Leiden, ja sogar in unser Sterben entgegen, ganz selbstverständlich, um dann zu wirken in diesem ganz konkreten Leben… in den Stall unseres Lebens, ebenso wie in unsere Gräber. Die Erde steht wegen der Auferstehung nicht still. Bei Jesu Tod berichtet die Bibel von Erdbeben, davon, dass sich der Himmel verdüstert, der Vorhang im Tempel zerreißt. Dann aber, bei der Auferstehung -nichts von all dem, keine Engelchöre, kein Donner oder Blitz… nichts! So wie Tag um Tag wird es Morgen, die Kühle der Nacht vergeht, die Vögel singen, das Leben in Jerusalem scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. Alles ist wie immer, wäre da nicht die Auferstehung Jesu. Und die Auferstehung geschieht, schlicht und einfach, im Verborgenen. Ein dialogisches Geschehen zwischen Vater und Sohn, zärtlich und behutsam.

 

Nur darum, weil ich Teil dieses Heilgeschehens sein darf, diese Auferstehung auch mir gelten darf, ist sie mehr als eine Erzählung, darum betrifft mich das, was das Evangelium erzählt unmittelbar, persönlich, Wenn ich Auferstehung für mich beschreiben müsste, dann ist es für mich Licht. Der wärmende, liebkosende Strahl der Sonne des Ostermorgens, das tiefe Angerührtsein von Gottes Liebe. Ein Geschehen, dass in mir alles Dunkel verscheucht und mir selbst in meinen bittersten Stunden Gottes Zusage verdeutlicht: Ich bin da, Du bist nicht allein! Fürchte dich nicht!

 

Das Grab ist leer, der Heiland ist erstanden! Auferstehung negiert dabei nicht Vergangenes, aber sie verwandelt, verändert, oder wenn man so will, sie verklärt. Jesus hat noch immer die Wundmale. Thomas wird sie sehen, ja vielleicht sogar berühren. All das Leid, all der Schmerz ist nicht einfach weg, er ist Teil des Heilsgeschehens, er ist Teil auch von Ostern… ohne Karfreitag kann es keinen Ostermorgen geben! Erlösung geschieht durch das Kreuz, niemals daran vorbei! Darum gehören all die Wunden und Narben dazu, so wie unsere Verwundungen, unsere Narben, Schrammen und Dellen zu uns als Menschenkinder gehören. Gott nimmt jede Biographie ernst. Aber Jesus ist auch verwandelt, sonst bräuchte es nicht die Ansprache der Maria von Magdala, bräuchte es nicht das Brechen des Brotes in Emmaus. Auferstehung verändert Menschen, macht sie zu Zeugen der Botschaft des Lebens und im Idealfall zu leuchtenden, erfüllten Zeuginnen und Zeugen. Auferstehung – Ostern – macht aus Verzweifelten, dem Tode verfallenen Geschöpfen, erlöste, aufrechte Menschen. Hoffende, Getragene, in Gott Geborgene.

 

Wenn wirklich Ostern werden soll, dann müssen wir dieses Licht der Auferstehung an uns heranlassen, uns von ihm erfüllen und durchglühen lassen, müssen wir diesen Gott an uns wirken lassen und uns öffnen für die Begegnung mit dem Auferstandenen… Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Amen. Halleluja!

 

Ihr

+ Frank Bayard

Hochmeister